Verfasst von Hafid Boutaleb

Das Ziel von Solar Rooftop 500 ist die Förderung des marokkanischen Sektors für erneuerbare Energien. Die Umsetzung soll massgeblich durch die Innovationskraft und das Engagement privater Unternehmen im Land erfolgen. SR500 ist ein wegweisendes Projekt, das in Marokko mit voller Unterstützung der Behörden und grossem Interesse des privaten Sektors ins Leben gerufen wurde. SR500 hilft den Privatunternehmen dabei, finanzielle Hindernisse zu überwinden und ihre Abhängigkeit von fossilem Strom aus dem Netz zu verringern, indem sie in eigene erneuerbare Energielösungen wie Solardachanlagen investieren. "Mit SR500 wird eine klare und starke Botschaft an die Akteure der Industrie und des tertiären Sektors gesendet: Jetzt ist es an der Zeit, auf Solarenergie umzusteigen", sagt Kamal Berrada, COO bei Valoris Capital, einem privaten Unternehmen, das bereits von dem Programm profitiert hat.

"SR500 ist eine konkrete kooperative Klimaschutzmassnahme, die messbar und nachhaltig ist", sagt Bouzekri Razi, Generalsekretär im Ministerium für Energiewende und nachhaltige Entwicklung von Marokko. Er erinnert daran, dass "es sich um das erste bilateral genehmigte Programm gemäss Artikel 6.2 des Pariser Abkommens über kooperative Ansätze handelt, das mit den Klimaschutzverpflichtungen des Königreichs im Einklang steht". Rachid Tahiri, Direktor für Klimawandel und Biodiversität im Ministerium, fügt hinzu: "Als konkrete und messbare Massnahme ist das SR500-Projekt ein Modell und ein operatives Instrument, das den Klimazielen des Königreichs entspricht."

Durch seinen direkten Beitrag zu Marokkos aktualisiertem NDC, das darauf abzielt, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2035 auf 52% zu erhöhen und die Treibhausgasemissionen um 53% zu reduzieren, verbindet SR500 finanzielle Innovation, bilaterale Zusammenarbeit und die Einbeziehung des Privatsektors.

Auftaktveranstaltung in Casablanca, an der alle am SR500-Projekt beteiligten Akteure teilnahmen

Foto: ACS
Ein Meilenstein für Marokkos Privatsektor

Das Programm richtet sich an Akteure aus dem gewerblichen und industriellen Sektor, wird von der Schweizer Stiftung KliK finanziell unterstützt und von Africa Climate Solutions (ACS) mit Unterstützung des Ministeriums für Energiewende und nachhaltige Entwicklung umgesetzt. Das Ziel ist klar: Die Dächer geeigneter marokkanischer Unternehmen sollen mit Photovoltaikmodulen ausgestattet werden, indem lokale Privatinvestitionen mit CO2-Einnahmen aus einem Land kombiniert werden, das gemäss Artikel 6.2 des Pariser Abkommens eine Kooperation mit Marokko eingegangen ist – in diesem Fall die Schweiz. Eine Initiative, die "direkt zur Dekarbonisierung der marokkanischen Wirtschaft und zu den CO2-Kompensationszielen der Schweiz bis 2030 beiträgt", wie der Schweizer Botschafter in Marokko, Valentin Zellweger, während der Auftaktveranstaltung des SR500-Programms in Marokkos Wirtschaftsmetropole Casablanca betonte.

SR500 arbeitet im Rahmen von kooperativen Marktansätzen, einem Mechanismus, der gemäss Artikel 6.2 des Pariser Abkommens eingerichtet wurde und den internationalen Transfer von Treibhausgasemissionsreduktionen zwischen Ländern – sogenannte ITMOs, Internationally Transferred Mitigation Outcomes – ermöglicht. Laut Mohammed Alaoui, Geschäftsführer von Africa Climate Solutions, der für die Umsetzung des Programms zuständigen koordinierenden Verwaltungsstelle, "handelt es sich hierbei um jenes autorisierte ITMO-Programm, das derzeit eines der grössten Volumina weltweit aufweist." Er fügt hinzu: "Es wird erwartet, dass sich mehr als tausend Unternehmen aller Grössenordnungen dem Solar Rooftop 500 anschliessen werden."

"Die Initiative trägt direkt zur Dekarbonisierung der marokkanischen Wirtschaft und zu den CO₂-Kompensationszielen der Schweiz bis 2030 bei."

Valentin Zellweger, Schweizer Botschafter in Marokko

Dies ist ein wichtiger Meilenstein für den marokkanischen Privatsektor, insbesondere aus der Perspektive des Ökosystems der erneuerbaren Energien. Zinelabiddine Jabiri, Business Development Manager bei Sofa Maroc, stellt fest, "dass ein solches Projekt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil für unsere Solarangebote darstellt." Zweifellos ist für das marokkanische Ökosystem erneuerbarer Energien das Solar Rooftop 500 eine Chance, den Sektor anzukurbeln, zumal SR500 als integriertes Förderprogramm strukturiert ist, das marokkanischen Unternehmen volle Flexibilität bei der Beschaffung von Ausrüstung und Dienstleistungen bietet und ihre Aktivitäten finanziell rentabel macht.

Das Hauptziel des Programms besteht darin, eine installierte Dachkapazität von fast 500 MW zu schaffen und eine geschätzte kumulative Reduzierung von 2,3 Millionen Tonnen CO₂ zu erreichen. SR500 soll rund 500 Millionen US-Dollar an Investitionen in Dachsolaranlagen in Marokko mobilisieren. "Mit einem klaren Ziel: Dachsolaranlagen erschwinglicher zu machen und private Investitionen in grossem Umfang anzukurbeln", betont Fatim Zahra Khalifa, CEO des Clusters ENR in Marokko. Dieses 500-MW-Ziel entspricht 20% der 2’500-MW-Selbstverbrauchsverpflichtung, die in der bedingten Komponente des dritten national festgelegten Beitrags Marokkos festgelegt ist.

"Wir sind kein grosses Industrieunternehmen, aber SR500 hat uns den Zugang zu Solarenergie zu Bedingungen ermöglicht, die unserer Grösse entsprechen. Die finanzielle Unterstützung stärkt die Rentabilität unserer Investition."

Khalid Aouas, General Manager von Gouzwine Industrial Bakery

Konkret werden durchschnittlich 15 bis 25% der Investitionskosten von der Stiftung KliK vorfinanziert, deren Mittel auf der Grundlage eines gesetzlichen Auftrags gemäss dem Schweizer CO₂-Gesetz erhoben werden, das die Erhebung einer Abgabe von wenigen Schweizer Rappen pro Liter verbrauchtem Treibstoff erlaubt. „Der Mechanismus zur Kohlenstoffverwertung im Rahmen von SR500 hat die Rentabilität des Projekts gestärkt und war ein entscheidender Faktor in unserem Entscheidungsprozess“, erklärte Abdelhak Korchi, CFO von Logismar, einem Unternehmen, das von dem Programm profitiert.

Eine ähnliche Einschätzung teilt Khalid Aouas, General Manager von Gouzwine Industrial Bakery: "Wir sind kein grosses Industrieunternehmen, aber SR500 hat uns den Zugang zu Solarenergie zu Bedingungen ermöglicht, die unserer Grösse entsprechen. Die finanzielle Unterstützung stärkt die Rentabilität unserer Investition." Mit anderen Worten: SR500 beseitigt die entscheidenden Probleme hinsichtlich Rentabilität und Durchführbarkeit und beschleunigt die Entscheidung für mehr erneuerbare Energien.

Finanzielle Hürden überwinden

Die Stiftung KliK übernimmt bis zu 60% des geschätzten Gesamtwerts der vermiedenen Emissionen, die bis zum 31. Dezember 2030 gutgeschrieben werden. "Die restlichen 40% werden gezahlt, nachdem eine jährliche Überprüfung durch Dritte die tatsächliche Leistung der Solaranlage bestätigt hat, die den Zeitraum vom Start der Investition bis zum Abschluss des Programms im Jahr 2030 abdeckt", erklärt Zaineb Kouzibri, SR500-Programmmanagerin bei Africa Climate Solutions, und fügt hinzu: "Je früher Unternehmen in das SR500-Programm investieren, desto höher sind folglich die Einnahmen aus Emissionszertifikaten."

"Je früher Unternehmen in das SR500-Programm investieren, desto höher sind folglich die Einnahmen aus Emissionszertifikaten."

Zaineb Kouzibri, SR500-Programmmanagerin bei Africa Climate Solutions

Das Programm legt klare und einfache Teilnahmebedingungen fest: Es richtet sich an marokkanische Privatunternehmen, die sich auf den lokalen Markt konzentrieren und im industriellen und gewerblichen Bereich tätig sind. Es unterstützt neue Photovoltaikanlagen auf Dächern oder Solarüberdachungen (mit Ausnahme von Erweiterungen bestehender Projekte am selben Standort) mit einer maximalen Leistung von 3 MWp pro Projekt. Der gesamte erzeugte Strom muss für den Eigenverbrauch des Unternehmens bestimmt sein, einschliesslich der Speicherung in Batterien. Die Investition muss vom Unternehmen getätigt werden und kann durch verschiedene Methoden finanziert werden, darunter Bankkredite, Leasing, Eigenkapital oder Drittinvestoren.

In der Zwischenzeit darf keines dieser Projekte mit anderen Subventionen, Finanzhilfen oder gewinnbringenden Netzeinspeisungen in Verbindung stehen. "Dieser Mechanismus ist daher eher ein Anreiz, der darauf abzielt, finanzielle Hindernisse zu beseitigen, die private Unternehmen mit technischem Potenzial daran hindern, die notwendigen Vorabinvestitionen zu tätigen, und so eine Steigerung der Gesamtrentabilität zu ermöglichen", fasst Zaineb Kouzibri zusammen.